top of page

der Taler

Der im alemannischen Raum wirkende Minnesänger «Der Taler», dessen parodistisch-ironisches Werk ausschliesslich im Codex Manesse überliefert ist, lässt sich historisch am plausibelsten mit dem Ritter Ruodolfus de Thale identifizieren. Die genauen Daten seiner Geburt und seines Todes sind urkundlich nicht überliefert, jedoch lässt sich sein Leben und Wirken aufgrund seines literarischen Profils und eines singulären Urkundenfundes präzise auf die Mitte des 13. Jahrhunderts, insbesondere auf die Jahre um 1240 bis 1250, eingrenzen. Sein Lebensmittelpunkt lag im heutigen Schweizer Bachsertal im Kanton Zürich. Die Familie benannte sich nach dem dortigen Weiler Thal und bewohnte mutmasslich die Burg Rüebisberg auf dem Winterrain oberhalb der Thalmühle. Politisch und sozial war Ruodolfus als Dienstmann (Ministerialer) im Umfeld des Grafen Hartmann IV. von Kiburg sowie der Freiherren von Regensberg aktiv. Am 15. Februar 1244 trat er in einer kibuorger Urkunde als ritterlicher Zeuge in Erscheinung. Dieses anti-staufisch geprägte Umfeld deckt sich ideal mit seinen literarischen Kontakten zu zeitgenössischen Dichtern wie Kraft von Toggenburg. Der Tod des Sängers dürfte noch vor dem in den 1260er-Jahren einsetzenden, wirtschaftlichen Niedergang der Freiherren von Regensberg und der damit einhergehenden Aufgabe der Burg Rüebisberg liegen. Mit den urkundlich erwähnten Johannes und Konrad von dem Tale starb diese Zürcher Linie der Familie zwischen 1266 und 1287 schliesslich im Mannesstamm aus. Als die Zürcher Liedersammler um 1300 die Manessische Handschrift zusammenstellten, war das Geschlecht bereits erloschen, weshalb ihnen weder der Vorname noch das authentische Wappen des Dichters vorlagen und der Illustrator das Wappen mit den fünf Rohrkolben vermutlich in Anlehnung an das nahegelegene Thalwil frei gestaltete.

Werk

Seine Werke sind einzig in der Manessischen Liederhandschrift C (f. 303r–304r) erhalten.

Überliefert sind ein unvollständiger Leich (nach dem im Codex markant 45 Leerzeilen folgen) sowie 11 Liedstrophen in drei Tönen.

Aufgezeichnet wurde der Text von der Schreiberhand As; die Miniatur stammt vom sogenannten Grundstockmaler.

Er gilt als brillanter Parodist der Hohen Minne. In Lied 3 besingt er die vergebliche Unterwerfung unter ein tyrannisches Bauernmädchen. In Lied 4 parodiert er das klassische höfische Botenlied. Man sagt, dass der Ausdruck «Hinz und Kunz» aus seinem Lied « Kuenzeli, bring mir minen sang» stammen soll. Das Minnelied «Ich klage nict bluomen noch den kle» habe ich mit der Melodie «Se savoient mon tourment» von Blondel de Nesle aus dem 12 Jh. vertont.

Der Taler auf Youtube.

der Taler.png
Rüebisberg Panorama.jpg
Rüebisberg.HEIC

Burgstelle Rüebisberg

Historische Dokumente aus dem 13. Jahrhundert belegen, dass die Hofgüter im Bachsertal ursprünglich im Besitz der Freiherren von Regensberg und deren Gefolgsleuten waren. Als die Macht der Regensberger in den 1260er- und 1270er-Jahren zu schwinden begann, leitete dies sehr wahrscheinlich auch den Niedergang der lokalen Ritteradligen von Thal ein. Infolge dieser Krise gaben die Ritter ihre vermutete Festung auf, während die Freiherren in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts begannen, viele ihrer dortigen Güter zu veräussern oder zu verschenken.

Die einstige Burgstelle wird oberhalb der Thalmühle vermutet und zeichnet sich topografisch durch einen halbrunden Graben aus, der sie vom umliegenden Gelände isoliert. Bezüglich der historischen Einordnung gab es in der Forschung unterschiedliche Ansichten: Die Archäologen Keller und Heierli stuften das Areal zunächst noch als prähistorische Fluchtburg ein. Diese These wurde jedoch in den Jahren 1921 und 1922 widerlegt. Bei einer kleineren Sondierung im Rahmen von Rodungsarbeiten kamen die Fundamente eines rechteckigen Gebäudes sowie eines Rundturms zum Vorschein. Beide Bauwerke wiesen jeweils einen Durchmesser von ungefähr 9 Metern auf und untermauern die Verbindung der Anlage mit dem mittelalterlichen Rittergeschlecht von Thal.

bottom of page