Minnesang - Liebeslieder aus dem Mittelalter

der von Wengen
Die Familie des Schweizer Minnesängers „der von Wengen“ lässt sich mit einiger Wahrscheinlichkeit der Ortschaft Wängi in der Schweiz zuordnen. Sollte der Minnesänger dort residiert haben, kam als Wohnsitz insbesondere das sogenannte Weierhaus infrage. Ausgeschlossen ist hingegen die ebenfalls in Wängi gelegene Burg Rengerswil, welche heute vollständig von einer Wohnsiedlung überbaut ist. Als historische Persönlichkeit hinter dem Minnesänger kommt Burkard von Wängi in Betracht – mutmasslich der jüngere der beiden dokumentierten Träger dieses Namens. Dieser war in den Jahren 1240 bis 1250 aktiv und stand in enger Verbindung zu Graf Hartmann IV. von Kyburg. Möglicherweise diente er den Kyburgern als Ministerialer und war mit Ulrich II. von Klingen befreundet. Seine Sangsprüche deuten darauf hin, dass er als politischer Dichter im Auftrag oder zumindest im Umfeld der Kyburger Grafen wirkte. Es ist daher naheliegend, dass er seine Lieder regelmässig auf der Kyburg vortrug. Bei dem in seinen Liedern besungenen „Klinger“ handelt es sich vermutlich um eben jenen Ulrich von Klingen, den Vater des bekannten Minnesängers Walter von Klingen.
Werk
Die sieben Strophen des Dichters „Von Wengen“ im Codex Manesse sind keine völlig eigenständigen Werke. Sie nutzen Melodien anderer bekannter Dichter (Stolle, Reinmar von Brennenberg, Hardegger). Zudem wanderte eine dieser Strophen durch das gesamte Mittelalter: Sie wurde von Schreibern in verschiedenen Liederbüchern mal dem einen, mal dem anderen Dichter zugeordnet. Der Minnesänger von Wengen war darum vermutlich ein politischer Dichter, der im Auftrag oder im Umfeld der Kiburger Grafen tätig war und Propaganda für die antistaufische Partei und zur Mobilisierung des Thurgauer Adels machte.



Weiherhaus Wängi
Die historische Anlage in Wängi hat ihren Ursprung im Mittelalter und geht auf einen früheren Wohnturm mit Wassergraben zurück. Diese als «Turm und Behausung zu Oberwängi» bekannte Ur-Anlage wurde einst von Vögten der Abtei St. Gallen sowie den späteren Herren von Wängi bewohnt. Im Laufe der Jahrhunderte erlitt das Gebäude mehrfache Zerstörungen: So wurde es 1499 während des Schwabenkriegs durch Brände und Plünderungen – unter anderem durch Berner und Krillberger – verwüstet und auch in späteren Konflikten des 16. und 17. Jahrhunderts, wie dem Dreissigjährigen Krieg, stark in Mitleidenschaft gezogen.
Von der historischen Bausubstanz stand der alte Wehrturm noch bis 1807. Die heute auf dem Areal bestehende herrschaftliche Villa ruht auf massiven Kellerfundamenten, die direkt auf den Ursprungsbau des mittelalterlichen Turms zurückgehen. Aufgrund dieser tiefen historischen Wurzeln ist die Liegenschaft im Schutzplan der Gemeinde Wängi als grundeigentümerverbindlich geschütztes Denkmal eingetragen. Auch die Umgebung mit ihrem vielfältigen Baumbestand und der markanten Gestaltung des Landsitzes lässt bis heute den historischen Bezug zur alten Wasserburg und ihrem Graben erkennen. Nun steht das geschichtsträchtige Areal vor einer neuen Phase seiner Entwicklung, da das Grundstück gegenwärtig überbaut wird.