Minnesang - Liebeslieder aus dem Mittelalter

Kraft von Toggenburg
Kraft I. von Toggenburg war ein Sohn Diethelms II., jenes Grafen, der durch den berüchtigten „Brudermord“ an Friedrich I. (1226) und die daraus resultierenden Konflikte mit dem Kloster St. Gallen bekannt wurde. Nach 1240 übernahm Kraft I. die Führung des Hauses und lieferte sich erbitterte Kämpfe mit der Abtei St. Gallen, um verlorene Familiengüter wie die Stammburg Toggenburg zurückzuerobern. Politisch positionierte er sich als antistaufischer Verbündeter von Papst Innozenz IV. und Graf Hartmann IV. von Kiburg, wobei er sich vermutlich auch an den Feldzügen gegen König Konrad IV. beteiligte (1246/48).
Gleichzeitig festigte er die Macht seiner Familie im Kirchenwesen: Er förderte die Karriere seiner Brüder – wie die Wahl Rudolfs zum Abt von St. Johann im Thurtal – und heiratete Elisabeth von Bussnang, eine Verwandte des St. Galler Abtes. Ab 1249 führte Kraft zudem das redende Wappen mit der schwarzen Dogge auf goldenem Grund, welches später zum Symbol des gesamten Grafengeschlechts wurde. Das Leben dieser politisch wie militärisch aktiven Figur des 13. Jahrhunderts, das neben Machtkämpfen und Kirchenbündnissen auch vom Minnesang geprägt war, endete im Jahr 1254: Vermutlich am 15. Juli fiel Kraft – wie einst sein Onkel Friedrich I. – einem Blutracheakt zum Opfer.
Werk
Das Lied "Du liebu sumerwunne ist komen" habe ich mit der Neidhard Melodie auf Seite 53 von «Troubadours Trouveres Minne- und Meistergesang» von F. Gennrich, Arno Volk Verlag, vertont.



Ruine Neu Toggenburg
Die im späten 12. Jahrhundert gegründete Neu-Toggenburg begann vermutlich als einfacher Wohnturm auf dem höchsten Punkt des Felsens. Nach dem Mord an Graf Friedrich I. im Jahr 1226 stieg die Anlage zur neuen Stammburg des Geschlechts auf, da die Toggenburger ihren bisherigen Stammsitz an die Abtei St. Gallen abtreten mussten. Im Zuge dieser Aufwertung wurde die Burg im 13. Jahrhundert massiv erweitert, sodass die ursprünglichen Gräben innerhalb einer neuen, zwei Meter dicken Ringmauer zu liegen kamen. Für die lebenswichtige Wasserversorgung im mittelalterlichen Burgalltag sorgten eine Zisterne im Palas sowie ein über vier Meter tiefer Schacht im Hauptfelsen.
Obwohl das Grafengeschlecht im 14. Jahrhundert zur bedeutendsten unabhängigen politischen Kraft in der Nordostschweiz aufstieg, taucht die bewohnte Anlage in den Schriftquellen dieser Zeit nur selten auf. Urkunden aus den Jahren 1270 und 1271, aus deren Epoche auch ein vor Ort entdeckter Siegelstempel stammt, sowie eine gräfliche Güterteilung von 1399 bezeugen ihre Funktion. Nach dem Tod des letzten Grafen Friedrich VII. im Jahr 1436 wurde die abgelegene und nur über steile Wege erreichbare Anlage kampflos aufgegeben und dem Zerfall überlassen. Ein reiches Spektrum an mittelalterlichen Kleinfunden, das von Jagd- und Haustierknochen über kunstvolle Ofenkacheln bis hin zu Alltagswerkzeugen und Waffenkomponenten reicht, zeugt heute im Museum Lichtensteig vom damaligen Leben auf der Burg.