Minnesang - Liebeslieder aus dem Mittelalter

Schenk von Landegg
Der Minnesänger Chuonrat der Schenke von Landegge ist wahrscheinlich identisch mit Konrad II von Glattburg-Landeck (urkundlich 1265-1306), Dienstmann von Abt Wilhelm von St. Gallen und Rudolf von Habsburg. Die Burg Landeck war sichtbare Abgrenzung gegen das Toggenburg und die Toggenburger. Allerdings muss die Burg eher symbolischen Charakter gehabt haben denn der kleine Hügel auf dem sie stand war ohne Wasserversorgung und so klein, dass keine grössere Festung darauf Platz gehabt haben könnte. Als es zwischen dem Abt Wilhelm und König Rudolf zum Streit kam, wurde Chuonrat in die Friedensbemühungen einbezogen. Er wollte jedoch nicht an der Fehde beteiligen und wich dem Streit aus indem er vermutliche auf grössere Reisen ging, unter anderem nach Frankreich. In jener Zeit mag auch das Lied entstanden sein, dass im Video gesungen wird. Zurück in der Heimat, diente er wieder dem Abt und seine Söhne folgten ihm nach.
Werk
Vom Schenken sind 22 Lieder im Codex Manesse überliefert. Sein Werk fällt durch ausgeprägte Bildlichkeit, insbesondere Naturbildlichkeit auf und ist heiter und hoffnungsvoll in der Tonalität. Das Lied «Mich muos wunder han» habe ich mit der Melodie aus dem frühen 13. Jahrhundert von Gace Brulé « Douce Dame, grez et grâce vos rent » vertont.



Burgruine Landeggwald
Auf einer schwer zugänglichen, bewaldeten Anhöhe im heutigen Gemeindegebiet von Degersheim liegen die Überreste einer ehemaligen Burg. Ein tiefer, steil abfallender Graben umgibt die Stelle, an der einst die Anlage stand. Der Begriff „Burg“ greift hierbei jedoch zu hoch. Es handelte sich vielmehr um einen bewohnbaren Wehrturm mit Wirtschaftsgebäuden, der flächenmäßig nicht größer als ein modernes Einfamilienhaus war und keinerlei herrschaftlichen Prunk besaß.
Das Leben auf dieser Anlage, die über drei Jahrzehnte bewohnt wurde, war von großer Isolation geprägt. Für den Bau des tiefen Grabens mussten damals riesige Mengen an Material von Hand ausgehoben werden. Der genaue Zugang ist heute unklar, wird jedoch aufgrund von Mauerresten an einer Seite vermutet. Von dem einstigen Sitz sind im Gelände nur noch vereinzelte Mauerstücke, Steine und Mörtelreste sichtbar. Der Turm selbst war schätzungsweise zehn bis zwölf Meter hoch, besaß ein gemauertes Fundament mit einem hölzernen Wohnbereich und bot eine weite Aussicht über die Umgebung, in der zu jener Zeit noch weitere, teils langlebigere Befestigungen existierten.